Mit dem Camper durch den Irak

Lohnt sich eine Reise in den Irak?

Ja, definitiv. Der Irak ist zwar kein klassisches Reiseziel und wird unserer Meinung nach oft missverstanden. Das Land hat eine bewegte Geschichte, die einen wirklich berührt und echt einfährt. Eine Reise lohnt sich allein schon, um die Geschichte der Kurd:innen besser zu verstehen.
Für uns war der Irak in den letzten zehn Monaten einer der spannendsten und eindrücklichsten Orte unserer Reise. Ganz besonders die Begegnungen mit den Menschen machen sowohl die autonome Region Kurdistan als auch den restlichen Irak zu etwas ganz Besonderem. Wir wurden selten so gastfreundlich empfangen.
Kulturell und historisch hat das Land unglaublich viel zu bieten, aber auch die Natur hat uns überrascht. Gerade im Norden finden Camper sehr schöne Berglandschaften, die wir so nicht erwartet hatten. Es ist eine Welt voller Kontraste, die bei uns nachhaltige Eindrücke hinterlassen hat.

Rawanduz
Der Bazar von Erbil

Wie viel Zeit solltest du für den Irak einplanen?

Wer den Irak lediglich als Transitland nutzt, kann das Land beispielsweise über die Hauptroute 1 (via Mosul, Bagdad und Basra – oder umgekehrt) innerhalb von zwei bis drei Tagen durchqueren. Auch ein Transit nach Jordanien sollte in etwa drei Tagen möglich sein.

Aktuell, im März 2026, ist die Lage angespannt. Wir hoffen jedoch, dass sich die Situation bald wieder beruhigt. Wenn die Sicherheitslage stabil ist und du dich im Land wohlfühlst, lohnt es sich, mehr Zeit einzuplanen und mindestens zwei Wochen für die Reise vorzusehen.
Besonders die autonome Region Kurdistan eignet sich hervorragend, um diese mit dem Camper zu erkunden. Dort erwarten dich sowohl lebendige Städte wie Erbil als auch beeindruckende, abgelegene Berglandschaften.

Auch der Zentralirak bietet lohnenswerte Sehenswürdigkeiten, selbst wenn klassische Camperferien dort schwieriger umzusetzen sind. Weicht man auf bewachte Parkplätze oder Hotels aus, lässt sich diese Region problemlos bereisen.

Der Bazar in Erbil
Der Bazar in Erbil

Einreise in den Irak

Brauche ich ein Visum für die Einreise?

Trotz des aktuellen Konflikts ist der Grenzübergang Ibrahim Khalil zwischen der Türkei und dem Irak weiterhin geöffnet.

Seit dem 1. März 2025 benötigen Reisende aus allen Schengen-Staaten vor der Einreise in den Irak ein vorab beantragtes e-Visum. Der Antrag kann online über die offizielle Seite gestellt werden:
https://evisa.iq/en

Du musst dich dort nicht registrieren oder einloggen. Über die Option „Direct e-Visa“ kannst du den Antrag direkt starten. In unserem Fall wurde das Visum jeweils innerhalb von etwa 24 Stunden ausgestellt. Die Gebühr betrug 143 Euro pro Person.

Das e-Visum ist für den gesamten Irak gültig. Du musst es während der Reise mehrfach an militärischen Checkpoints vorzeigen. Bei unserer zweiten Einreise wurde das Visum zusätzlich in den Pass eingeklebt, da reichte es aus, nur den Pass zu zeigen. 

Es scheint ausserdem Varianten des Visums zu geben, die nur für den kurdischen Teil des Irak oder nur für das Gebiet der Zentralregierung gelten, falls man ausschliesslich eine dieser Regionen bereisen möchte. Dazu haben wir jedoch keine eigenen Erfahrungen oder weiteren Informationen. Wenn du mit einem Visum einreist, das nur für die kurdische Region gültig ist, musst du aufpassen, da dir nicht erlaubt ist den restlichen Irak zu bereitsen und es nicht immer ganz übersichtlich, wo exakt die Grenzen verlaufen. Für den Antrag benötigst du ausserdem ein Passfoto. Wir haben das Foto einfach mit dem Handy aufgenommen und anschliessend auf 145 × 145 Pixel zugeschnitten. Das Bild wirkt dadurch zwar etwas unscharf, wurde aber problemlos akzeptiert.

Einreiseformalitäten Grenzübergang Ibrahim Khalil (Türkei – Irak)

Wenn du mit dem eigenen Fahrzeug in die Autonome Region Kurdistan oder weiter in den Zentralirak einreist, solltest du einige Dokumente vorbereitet haben.

Folgende Unterlagen und Dinge werden am Grenzübergang Ibrahim Kahlil benötigt:

  • 35 US-Dollar
  • Passagierliste (2 Kopien)
  • Ausgedrucktes e-Visum
  • Reisepass
  • Fahrzeugzulassung
  • Carnet de Passages (CPD)

Die Passagierliste kannst du vor der Einreise vorbereiten. Wir haben unsere in einem kleinen Copyshop nahe der Grenze ausdrucken lassen. Uns wurde aber auch erzählt, dass man die Liste notfalls handschriftlich ausfüllen kann.

Am einfachsten ist es, die Liste tabellarisch zu erstellen und auszudrucken. In der Tabelle sollten alle Personen im Fahrzeug aufgeführt sein.

Folgende Angaben werden abgefragt:

  • Kennzeichen des Fahrzeugs
  • Datum der Einreise
  • Vollständiger Name aller Personen
  • Geburtsdatum
  • Staatsangehörigkeit
  • Reisepassnummer
  • e-Visa-Nummer

Hier gehts zur Vorlage zum herunterladen.

Brauche ich ein Carnet de Passage für die Einreise in den Irak?

Wenn du weiter in die Gebiete der irakischen Zentralregierung reisen möchtest, benötigst du für die Einreise mit deinem eigenen Fahrzeug ein Carnet de Passages (CPD).Am Zoll wird das Carnet für dein Fahrzeug kontrolliert und entsprechend gestempelt. Achte unbedingt darauf, dass du alle notwendigen Ein- und Ausreisestempel erhältst. An diesem Grenzübergang kann es etwas chaotisch und unübersichtlich zugehen. Deshalb lohnt es sich, nach dem Abfertigungsprozess kurz zu überprüfen, ob wirklich alle Stempel korrekt im Carnet eingetragen wurden. So vermeidest du später mögliche Probleme bei der Ausreise oder bei der Rückgabe des Carnets.

Erfahrungsbericht vom Grenzübergang Ibrahim Khalil (Türkei –  Irak)

Die Zolldurchquerung haben wir uns im Vorfeld deutlich schwieriger vorgestellt, als sie am Ende tatsächlich war.
Im Internet hatten wir viele Berichte gelesen, unter anderem über angebliche Drogenschmuggler oder andere Probleme an der Grenze, was uns vor der Einreise etwas verunsichert hat.
In der Realität wurden wir jedoch von freundlichen Zollbeamten empfangen.
Der Ablauf besteht hauptsächlich darin, an verschiedenen Schaltern mehrere Stempel zu holen und die entsprechenden Dokumente anschliessend wieder an anderen Posten vorzulegen. Ganz übersichtlich ist das Ganze zwar nicht, aber die Grenzbeamten helfen weiter und schicken einen meist direkt zum nächsten Schalter.
Manchmal muss man ein wenig suchen, doch am Ende findet man immer den richtigen Posten und der Prozess läuft Schritt für Schritt weiter. 

Die folgenden Dokumente mit Informationen zu den einzelnen Posten haben wir von anderen Reisenden erhalten. Sie haben uns besonders bei unserer ersten Grenzüberquerung geholfen: 

PDF Dok

Einreiseformalitäten und Erfahrungsbericht vom Grenzübergang Safwan (Kuwait – Irak)

Am Zoll von Kuwait in Richtung Irak benötigst du zunächst die gleichen Unterlagen, die bereits zuvor für den Grenzübertritt Ibrahim Kahlil beschrieben wurden. Zusätzlich kommt hier jedoch ein weiterer Punkt hinzu: Am Grenzübergang wirst du in der Regel von Personen angesprochen, die dich durch den recht komplizierten Prozess begleiten.

Grundsätzlich kannst du den Ablauf auch alleine durchlaufen. Ohne Arabischkenntnisse stelle ich mir das allerdings ziemlich schwierig vor. Die Helfer führen dich zu den verschiedenen Schaltern, füllen Formulare auf arabisch aus und erklären, welche Schritte notwendig sind. Am Ende erwarten sie dafür ein kleines Trinkgeld. Am besten sprichst du den Betrag vorher ab – etwa 5 bis 10 US-Dollar sind üblich.

Ausserdem musst du an drei verschiedenen Schaltern Gebühren bezahlen. Wichtig zu wissen: Häufig wird versucht, mehr zu berechnen, als tatsächlich erforderlich ist. Du kannst die Gebühren problemlos in US-Dollar bezahlen. Idealerweise hast du den Betrag passend dabei.

Die offiziellen Kosten sind:

  • 20 US-Dollar an einem Schalter (Schalter vorne gleich neben Parkplatz)
  • 25 US-Dollar an einem weiteren Schalter (Schalter hinten) 
  • 5 US-Dollar an einem dritten Schalter (Kopie von Unterlagen)

Einheimische haben uns darauf aufmerksam gemacht, sodass wir vermeiden konnten, zu viel zu bezahlen. Andernfalls hätten wir 15 Dollar mehr gezahlt.

Ganz am Ende solltest du unbedingt kontrollieren, dass du alle notwendigen Stempel erhältst:

  • einen Stempel im Reisepass
  • einen Stempel im Carnet de Passage

Ohne diese Stempel kann es später bei der Ausreise oder bei Kontrollen zu Problemen kommen.

Sicherheit im Irak

Erfahrungen aus der Autonomen Region Kurdistan und dem Zentralirak.

Die Sicherheitslage im Irak muss differenziert betrachtet werden. Sicherheit hängt stark von Herkunft, Religion, Geschlecht und politischer Position ab. Was sich für uns als Reisende sicher anfühlt, bedeutet nicht automatisch die gleiche Sicherheit für religiöse oder ethnische Minderheiten, Frauen, LGBTQI+ Personen oder andere gesellschaftliche Gruppen und darf nicht damit gleichgesetzt werden. Strukturelle Probleme sollten in Reiseberichten nicht ausgeblendet werden, da sonst ein verzerrtes Bild entstehen kann.

Der Irak hat über viele Jahrzehnte hinweg bewaffnete Konflikte und politische Instabilität erlebt. In den letzten Jahren hat sich die Sicherheitslage in vielen Teilen des Landes jedoch spürbar stabilisiert. Besonders die Autonome Region Kurdistan im Nordirak wurde zunehmend von Reisenden besucht und auch unter Overlandern und Campern wird die Region inzwischen immer beliebter. Parallel dazu sind auch immer mehr internationale Unternehmen im Irak aktiv, was ebenfalls ein Zeichen dafür ist, dass sich Teile des Landes wirtschaftlich und sicherheitspolitisch weiterentwickelt haben.

Trotzdem bleibt die politische Lage in der Region volatil. Ereignisse können sich schnell entwickeln und die Situation kurzfristig verändern. Ein aktuelles Beispiel dafür sind die jüngsten militärischen Eskalationen Februar 2026  in der Region, bei denen es zu Angriffen und Gegenschlägen gekommen ist. Städte oder Regionen, die zuvor als sicher galten, können dadurch plötzlich wieder stärker in den Fokus geraten.

Der Irak befindet sich in einer politisch komplexen Lage. Das Land pflegt enge Beziehungen zu den USA und ist in einigen Bereichen, insbesondere wirtschaftlich und militärisch, weiterhin von ihnen abhängig. Gleichzeitig steht der Irak auch unter starkem Einfluss des Irans, der über politische Parteien und verschiedene schiitische Milizen eine wichtige Rolle im Land spielt.

Durch diese komplexe Situation üben in manchen Regionen neben der offiziellen Regierung auch verschiedene Milizen Einfluss aus. Einige dieser Gruppen sind in staatliche Sicherheitsstrukturen integriert, andere agieren teilweise unabhängig. Für Reisende bedeutet das vor allem, dass es im Land zahlreiche Checkpoints und unterschiedliche Sicherheitskräfte gibt und dass es zu Spannungen oder Konflikten zwischen den verschiedenen Milizen und Parteien kommen kann.

Im Alltag merkt man davon als Reisende meist wenig, ausser dass man je nach Region viele Checkpoints passieren und Dokumente vorzeigen muss. Dennoch ist es wichtig, sich der politischen Situation bewusst zu sein und lokale Hinweise ernst zu nehmen.

Unser persönlicher Eindruck, sowohl vor als auch nach Beginn der jüngsten Spannungen, war, dass sich die Situation vor Ort oft relativiert. Wir hatten das Gefühl, dass sich die Lage vor Ort meist gut einschätzen lässt. Mit sorgfältiger Planung, aktueller Information zur Lage und einer gewissen Portion Vorsicht sind Reiserouten durch den Irak weiterhin möglich, auch wenn natürlich immer ein gewisses Restrisiko bleibt.

Bei unserer ersten Durchreise im Januar, vor dem Krieg, haben wir uns durchgehend sehr wohl gefühlt. Besonders in Erinnerung geblieben ist uns die Herzlichkeit der Menschen. Wir hatten im Vorfeld von der Gastfreundschaft gehört, aber dass sich Menschen so sehr darüber freuen, dass wir ihr Land besuchen, hätten wir nicht erwartet. 

Die Gastfreundschaft, die wir im Irak erleben durften, hat tatsächlich vieles übertroffen, was wir in den vorherigen zehn Monaten unserer Reise erlebt haben.

Letztendlich muss jede Person für sich entscheiden, ob sie das Risiko einschätzen und eingehen möchte. Aktuell würde ich persönlich von längeren Reisen im Irak abraten und die weitere Entwicklung abwarten. Als Transitland halte ich den Irak auf den Hauptrouten jedoch weiterhin für befahrbar.

Checkpoints in der Region Kurdistan und im restlichen Irak

Militär-Checkpoints gehören im Irak zum Strassenverkehr und sind in unregelmässigen Abständen auf allen Strassen zu finden. Sie dienen der Sicherheit, so werden auch bedeutende Städte wie beispielsweise Samarra durch die Kontrolle der Checkpoints stark geschützt.
Manchmal markieren die Chackpoints die Grenze zwischen der autonomen Region Kurdistan und dem Zentralirak. Oft ist jedoch nicht ersichtlich, warum ein Checkpoint dort steht oder wer ihn betreibt. Verschiedene Streitkräfte und Milizen sind aktiv und führen eigene Kontrollen durch. Mit Ausnahme der kurdischen Sicherheitskräfte, die sich deutlich von denen im Zentralirak unterscheiden, war es für uns meist nicht erkennbar, wer den jeweiligen Posten besetzt.
Besonders in der Region zwischen Kirkuk – Samarra und um Bagdad sind viele Checkpoints zu finden. Zwischen Bagdad und Jordanien hat es auch mehrere Chackpoints, da kam es für uns teilweise zu längeren Wartezeiten, da abgeklärt wurde, ob eine Eskorte notwendig ist oder nicht. Im Süden des Iraks haben wir hingegen sehr wenige Checkpoints passiert.

Der Ablauf an den Checkpoints ist fast immer identisch:

  • Dokumente: Man muss Reisepässe und Visa vorzeigen.
  • Prozedere: Entweder wird man direkt weitergewinkt oder die Beamten fotografieren die Dokumente und stellen ein paar Fragen zur Route.
  • Inspektion: Eher selten mussten wir aussteigen, damit das Fahrzeug inspiziert werden konnte. Gelegentlich wird man gebeten, die Dokumente dem Chef des Checkpoints persönlich im Container nebenan vorzuweisen.

Unsere Erfahrung an den Checkpoints 

An den Anblick bewaffneter Sicherheitskräfte und Milizen gewöhnt man sich schnell. Die meisten Kontrollen dauerten bei uns maximal fünf Minuten. Die Beamten waren uns gegenüber sehr freundlich gesinnt, wirkten professionell und oft sogar erfreut über Touristen. Unsere längste Wartezeit betrug etwa 20 Minuten. Wir haben uns zu keinem Zeitpunkt unwohl oder unsicher gefühlt.

Als Frau in der Autonomen Region Kurdistan und im Zentralirak

Ich selbst habe mich als nichtmuslimische Reisende zu jedem Zeitpunkt sicher gefühlt und durchweg gute Erfahrungen gemacht. Da ich mit meinem Partner unterwegs war, kann ich jedoch nicht für alleinreisende Frauen oder andere Personen sprechen. In diesem Fall lohnt es sich, sich vorab in Reise-Communities zu vernetzen. Viele Alleinreisende berichten dort ebenfalls von positiven Erlebnissen und grosser Gastfreundschaft. 

An das ständige Angeschaut-Werden habe ich mich schnell gewöhnt. Da sich viele Blicke auch auf meinen Freund richteten, empfand ich die Aufmerksamkeit für mich persönlich als weniger intensiv. Besonders angenehm war, dass stets ein respektvoller körperlicher Abstand gewahrt wurde. Es kann zwar vorkommen, dass plötzlich viele Einheimische um einen herumstehen, weil sie uns kennenlernen, einladen oder Selfies machen möchten, aber sie sind uns dabei nie zu nahe gekommen. 

Besonders im Irak ist eine enorme Neugier gegenüber Reisenden spürbar. Freundliches Zunicken, Winken, ein Lächeln oder kurzes Angesprochenwerden machen den Reisealltag hier aus.

In weniger touristischen Gegenden fand ich es als Frau nicht immer einfach einzuschätzen, in welchen Lokalen ich mich aufhalten darf beziehungsweise was gesellschaftlich akzeptiert ist. Daher war es teilweise hilfreich, zwischendurch Zeit in modernen, wohlhabenderen Vierteln zu verbringen, da dort viele Frauen im öffentlichen Raum präsent sind. In Bagdad ist beispielsweise das Viertel Mansour ein guter Anlaufpunkt, in Erbil das Viertel Ankawa. 

Die Shoppingmeile im Masour Viertel

Mehr zu meinen Erfahrungen als Frau in muslimisch geprägten Ländern findet ihr in diesem Blogartikel.

Kleidung

Die Kleiderfrage beschäftigt viele vor einer Reise in ein muslimisch geprägtes Land. Sich vorab zu informieren und auf eine angemessene Kleiderwahl zu achten, ist für uns vor allem ein Zeichen von Wertschätzung und Respekt gegenüber der lokalen Kultur.

Im Irak haben wir dabei grosse regionale Unterschiede erlebt. Während man in modernen Vierteln von Erbil durchaus enge Jeans oder farblich auffällige Kleidung sieht, sind andere Teile des Landes deutlich konservativer geprägt.

Ich persönlich fühlte mich in langen Hosen und einem luftigen, langärmligen Hemd am wohlsten – besonders an Orten, an denen ich kaum auf andere Frauen getroffen bin. Ein Kopftuch (Hidschab) oder ein lockeres Übergewand (Abaya) sind im Alltag nicht notwendig, können aber getragen werden, wenn man sich damit wohler fühlt. In religiösen Stätten ist die Kopfbedeckung jedoch Pflicht.

Auch für Männer gilt, Schultern sollten bedeckt sein und die Hosen mindestens über die Knie reichen, wobei lange Hosen im öffentlichen Raum meist die bessere Wahl sind.

Autofahren im Irak

Strassenverhältnisse & Maut im Irak

Autofahren im Irak ist sehr unterschiedlich. Viele Strassen sind in sehr gutem Zustand, besonders die Hauptverkehrsachsen. Doch es gibt auch immer wieder lange Passagen mit vielen Schlaglöchern und schlechtem Belag. Ebenfalls muss man immer ein wachsames Auge auf die anderen Verkehrsteilnehmer haben, denn überholt wird auf allen Seiten. Besonders bei viel Verkehr und in Städten kann es teilweise sehr hektisch und unübersichtlich werden, mit genug Geduld und Nerven ist das jedoch kein Problem. 

Mautgebühren gibt es aktuell keine im Irak.

Verkehr in Baghdad
Stau vor der Al-Khilani Moschee in Bagdad

Kfz Versicherung im Irak

Bei der Einfuhr eines Fahrzeugs in den Irak besteht grundsätzlich keine Versicherungspflicht. Da die Grüne Karte dort jedoch nicht gültig ist, raten wir dringend dazu, eine Versicherung abzuschliessen. Dies ist entweder direkt an der Grenze oder über einen Online-Anbieter https://dilnia.com/ möglich.

Wir haben von Reisenden gehört, die unversichert in einen Unfall verwickelt wurden und deshalb für kurze Zeit in Haft mussten, also geht das Risiko lieber nicht ein.

Navigation im Irak

In Google Maps ist im gesamten Irak leider nur die Vorschau von Routen möglich, eine aktive Navigation funktioniert nicht.
Wir haben stattdessen die App Waze genutzt. Obwohl dieser Dienst ebenfalls zu Google gehört, funktioniert er im gesamten Irak uneingeschränkt. Wir waren damit sehr zufrieden. Selbst durch die hektischen Grossstädte wurden wir immer zuverlässig ans Ziel geleitet. Auf die angegebenen Ankunftszeiten sollte man allerdings immer mindestens eine Stunde dazurechnen.Zusätzlich haben wir die App Here We Go getestet. Diese konnte uns jedoch nicht überzeugen. Sie führte uns mehrfach in Sackgassen oder über Strassen, die gar nicht existieren.

Kann man den Irak ohne Allrad bereisen? 

Den Irak kann man problemlos ohne ein Allradfahrzeug bereisen. In der autonomen Region Kurdistan gibt es viele gut erreichbare Plätze, um frei in der Natur zu stehen.Im Zentralirak wird vom Freistehen jedoch abgeraten. Aus diesem Grund waren wir dort nicht offroad unterwegs, sondern hielten uns an die Hauptrouten.

Der Gelatisprinter vor dem Abu Dulaf Minaret
Das Abu Dulaf Minaret

Freistehen / Campingplätze / Unterkünfte

In der Autonomen Region Kurdistan gibt es verschiedene Möglichkeiten zum Wildcampen. Viele geeignete Plätze sind in der App iOverlander eingetragen. Einige der Spots, die wir selbst genutzt haben, findet ihr in unserem Blog-Beitrag zu diesem Thema.

Stellplatz am Dukan Lake in der Autonomen Region Kurdistan

Für den restlichen Teil des Iraks empfehlen wir auf das Wildcampen zu verzichten. Dort ist es sinnvoller, auf Hotels oder andere offizielle Unterkünfte auszuweichen.

Bei den Unterkünften haben wir eine Erfahrung gemacht, die man vor der Reise vielleicht wissen sollte: Viele Hotelzimmer riechen stark nach kaltem Zigarettenrauch. Das liegt daran, dass Rauchen in vielen Unterkünften weiterhin üblich ist. Gerade im Budget-Segment war es für uns nicht immer einfach, Zimmer zu finden, die gut bewertet sind, rauchfrei wirken und gleichzeitig einen akzeptablen Hygienestandard haben.

Vanlife-Alltag im Irak: Wasser, Entsorgung und Dieselqualität.

Wo kann ich Wasser füllen?

Wie in den meisten Ländern findet man auch im Irak über die Apps iOverlander und Park4night geeignete Wasserstellen. Da diese jedoch nicht sehr zahlreich sind, lohnt es sich, die Route vorausschauend zu planen und gezielt nach Möglichkeiten zum Auffüllen der Wassertanks zu suchen.

Wo kann ich meinen Müll und mein Grauwasser entsorgen?

Mülltonnen findet man im Irak problemlos an vielen Orten. Entsorgungsstellen für Grauwasser sind hingegen schwer bis gar nicht auffindbar. Mit etwas Glück wird man bei einer Autowaschanlage fündig. Aber auch dort wird das Abwasser meistens direkt in das nächste Feld geleitet.Es ist daher ratsam, konsequent auf ökologische Produkte zu setzen, um die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten.

Die Sache mit dem Diesel: Wo bekommt man Diesel, gibt es genügend Tankstellen und wie ist die Qualität im Irak?

Wer im Irak mit einem Benzinmotor unterwegs ist, hat definitiv einen Vorteil. 

Diesel ist zwar erhältlich, aber nicht immer und überall verfügbar. In der autonomen Region Kurdistan konnten wir problemlos tanken, im Zentralirak wurde die Suche deutlich schwieriger. An einigen Tankstellen dürfen Betreiber Diesel offiziell nur an Lastwagen oder Behördenfahrzeuge abgeben. Mit etwas Nachfragen erhält man manchmal dennoch eine begrenzte Menge, oft bis etwa 40 Liter.

Besonders auf der Strecke von Bagdad Richtung Jordanien sollte man im Voraus prüfen, welche Tankstellen Diesel anbieten.

Unsere Tipps für die Suche:

  • Apps nutzen: Es ist ratsam, sich über iOverlander zu informieren, da dort Tankstellen mit Dieselverkauf eingetragen sind.
  • Rezensionen: Auch Google-Rezensionen liefern oft aktuelle Hinweise zur Diesel-Verfügbarkeit.

Trotz dieser Einschränkungen sind wir bei beiden Durchquerungen des Landes immer gut durchgekommen.

Aktuell, März 2026, kostet der Diesel zwischen 750 und 850 IQD, also zwischen 50-56 Cent.

Gut zu wissen für deine Reise in den Irak

WhatsApp-Gruppen für Reisende 

Für den Irak, aber auch für viele andere Regionen, gibt es verschiedene WhatsApp-Gruppen, in denen sich Reisende austauschen. Dazu gehören Backpacker:innen, Couchsurfer:innen, Overlander:innen oder Einheimische, die sich aktuell im Land befinden oder kürzlich dort gereist sind.

Diese Gruppen sind hilfreich, um mitzubekommen, welche Themen andere Reisende gerade beschäftigen. Man kann dort direkt Fragen stellen, Erfahrungen austauschen oder sich sogar spontan mit anderen Reisenden treffen.

Ausserdem erfährt man in solchen Chats oft sehr schnell, wenn sich in einer Region etwas verändert, zum Beispiel wenn eine Route aktuell schwieriger zu befahren ist, neue Checkpoints eingerichtet wurden oder bestimmte Strecken besonders empfohlen werden. Viele Reisende teilen dort auch aktuelle Tipps zu Unterkünften, Grenzübergängen oder Sehenswürdigkeiten.

WhatsApp-Gruppen für den Irak:

Spezielle WhatsApp-Gruppe für Overlander:innen und Camper:innen auf der Arabischen Halbinsel:Peninsula Overlander:
https://chat.whatsapp.com/HV3YyjBDuCLGRo9XHwBYLE

Wo kannst du dich über die aktuelle Lage informieren?

Wenn du in den Irak oder generell in die Region reist, lohnt es sich, die aktuelle Lage regelmässig zu verfolgen. So bekommst du ein besseres Gefühl dafür, was gerade passiert und ob es Entwicklungen gibt, die deine Reise betreffen könnten.

Ein guter internationaler Nachrichtensender für den Nahen Osten ist Al Jazeera. Dort findest du regelmässig aktuelle Berichte und Hintergrundinformationen aus der Region.

Sehr hilfreich ist auch die App: Liveuamap.
Sie zeigt aktuelle Ereignisse und Konflikte auf einer Karte an. Meldungen werden geografisch eingezeichnet, sodass du schnell sehen kannst, wo genau etwas passiert ist und ob es deine Reiseroute betreffen könnte.

Download der App:

Zusätzlich kann es hilfreich sein, WhatsApp-Gruppen oder Reise-Communities zu verfolgen. Dort berichten andere Reisende und Einheimische oft sehr schnell über die aktuelle Lage und lokale Entwicklungen. 

Für uns hat sich eine Kombination aus lokalen Nachrichten, Informationen von Einheimischen in WhatsApp-Gruppen, den Erfahrungen anderer Reisender und der App Liveuamap als besonders hilfreich erwiesen.

Geld im Irak: Währung, Bezahlung und Kosten

Im Irak ist der Irakisch Dinar IQD die ofizielle Währung. Dollar wird auch immer wieder akzeptiert und kann auch in verschiedenen Telefonanbietershops oder Wechselstuben getauscht werden und teilweise auch bezogen werden. 

An Tankstellen mussten wir meistens mit Bargeld bezahlen. 

Ansonsten war auch häufig kontaktlose Bezahlung möglich. 

Wie teuer ist der Irak? 

Der Irak war für uns teurer als zunächst erwartet. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass wir häufig auswärts essen waren und im Vergleich zu anderen Ländern mehr in Hotels übernachtet haben. Insgesamt ist es jedoch ein preiswertes Reiseland.

Gerade in Bagdad lagen einfache und preiswerte Hotels für uns meist bei etwa 30 bis 40 Euro pro Nacht, allerdings oft mit eher schwachen Bewertungen. Gleichzeitig gab es auch sehr teure Unterkünfte, während ein gutes Mittelmass dazwischen eher schwer zu finden war.

Diesel ist im Irak deutlich günstiger als in Europa, was sich auf längeren Strecken spürbar bemerkbar macht und einen grossen Unterschied bei den Gesamtkosten ausmacht.

Welche SIM-Karte im Irak? 

Wir haben eine eSIM über GlobaleSIM genutzt. Beim Wechsel von Kurdistan Irak in den Zentralirak gab es kurz Probleme mit dem Netzwechsel, ansonsten hats gut funktioniert. 

Gängige empfohlene Anbieter:
Asiacell – hohe Geschwindigkeit im Zentral- und Südirak
Korek – gute Abdeckung in Kurdistan
Zain – landesweit solide Abdeckung

Verständigung im Irak

Wir haben von vielen gehört, dass sie sich wegen der Sprachbarriere Sorgen machen. Mit Google Translate klappt die Verständigung jedoch fast überall gut, auch an Checkpoints. Besonders hilfreich war das Wort „Swisra“ für Schweiz, da wir oft nach unserer Herkunft gefragt wurden. Nachdem wir das gesagt hatten und unser Pass kurz durchgeblättert wurde, konnten wir meist problemlos weiterfahren.

Auch im Alltag konnten wir uns mit Lächeln und Gesten gut verständigen und auch längere Gespräche führen. Zudem sprechen im Irak viele Menschen Englisch, sodass man immer wieder auf jemanden trifft, der fliessend Englisch spricht.

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